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Tradition trifft Moderne: Gamechanger-Mission des FC Viktoria Berlin [Exklusiv]

Lesedauer: 6 Minuten

© Kai Heuser / FC Viktoria Berlin

Der FC Viktoria 1889 Berlin zählt zu den ältesten Fußballvereinen Deutschlands. Seit zehn Jahren ist der Klub in Berlin-Lichterfelde auch im Frauenfußball mit einer eigenen Mannschaft vertreten. Doch im Sommer 2022 folgte eine Revolution, die es im deutschen Fußball so noch nicht gab.

© Filiz Serinyel / FC Viktoria Berlin

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»Meine Kolleginnen und ich haben eine große Passion für Frauenfußball, doch wir sind unzufrieden, welches Bild der Frauenfußball in Deutschland hat. Denn die Sichtbarkeit ist noch immer nicht dort, wo sie sein sollte«, sagt Lisa Währer, Co-Founder und Managing Director des FC Viktoria 1889 Berlin. Für Währer und fünf weitere Frauen Grund genug, um im Sommer 2022 beim drittklassigen Regionalligisten Viktoria einzusteigen und eine Revolution zu wagen. Man setzte sich zum Ziel, Gamechanger zu werden und die Dinge im Frauenfußball anders anzugehen. Denn gerade in Berlin, das sich gerne als Sporthauptstadt Deutschlands präsentiert, steht es um den Frauenfußball nicht allzu rosig. Einzig mit Turbine Potsdam vor den Toren Berlins ist ein Verein in der 2. Bundesliga vertreten. In der Frauen-Bundesliga fehlt eine Hauptstadtbeteiligung gänzlich.

© Filiz Serinyel / FC Viktoria Berlin

Von Berlin nach Los Angeles

»In Berlin wurde bis jetzt nicht gut mit dem Frauenfußball umgegangen. Die zwei großen Vereine Hertha und Union investieren nur sehr wenig in ihre jeweilige Frauensektionen«, spricht Währer ein für sie zentrales Problem an, weshalb sich die Hauptstadtklubs unter ihren Möglichkeiten verkaufen. Vorbilder, wie ein populäres Frauenfußballteam aussehen kann, um den Frauenfußball in Deutschland zu pushen, fanden Währer und ihre Mitstreiterinnen nicht. Zumindest nicht in Berlin und auch nicht in Deutschland. Für das Vorhaben »Viktoria neu« blickte das engagierte Team mehr als 9.000 Kilometer in Richtung Westen und wurde in Los Angeles fündig. In Kalifornien wurde im Sommer 2020 der Angels City FC gegründet. Ein Frauenfußballteam, das im Besitz vieler prominenter Namen ist. Natalie Portman, Eva Longoria, Serena Williams und weitere bekannte Persönlichkeiten sind Geldgeberinnen des Vereins.

»Die zwei großen Vereine Hertha und Union investieren nur sehr wenig in ihre jeweilige Frauensektionen«

Angels City FC setzte sich bei der Gründung das Ziel, Stadien zu füllen, um dadurch die Sichtbarkeit des Frauenfußballs in den Vereinigten Staaten weiter zu erhöhen und eine Community aufzubauen. Nur wenige Jahre nachdem der Verein an den Start ging, ist das gelungen. In der National Women’s Soccer League – kurz NWSL – kommen im Schnitt 20.000 Zuseher ins heimische Stadion. Damit sind die Kalifornierinnen das am zweitbesten besuchte Team im amerikanischen Frauenfußball. »Wir stellten uns die Frage, ob das nicht auch in Berlin umsetzbar ist, den Frauenfußball mit einer starken Marke zu verbinden«, meint Währer. Ähnlich wie in Los Angeles gibt es bekannte Investorinnen, die den Verein unterstützen und zu mehr Bekanntheit verschaffen wollen. Dazu zählen die ehemalige deutsche Fußballnationalspielerin Tabea Kemme, die mehrfache Welt- und Europameisterin im Schwimmen, Franziska van Almsick, die ehemalige Geschäftsführerin der Deutschen Fußball Liga, Donata Hopfen, oder die bekannte Kabarettistin Carolin Kebekus.

© Kai Heuser / FC Viktoria Berlin

Bei Viktoria setzt man sich für gerechte Bezahlung von Sportlerinnen ein, möchte Rollenbilder sowie Narrative aufbrechen und für bessere Bedingungen im Mädchen- und Frauenfußball sorgen. Und der sportliche Erfolg soll ebenfalls nicht zu kurz kommen. »Unser Ziel ist es, in der deutschen Frauen-Bundesliga zu spielen. Uns sechs Gründerinnen eint, dass wir Sachen ausprobieren, und dabei auch scheitern können, was aber nicht schlimm ist, sondern einen weiterbringt«, so Währer zu ihrem Vorhaben. Der Aufstieg in die Frauen-Bundesliga soll dabei bis zum Jahr 2027 gelingen. Der Außenauftritt von Viktoria ist hingegen bereits jetzt Bundesliga-tauglich. Die Internetpräsenz stellt viele Bundesliga-Vereine der Männer in den Schatten. Auf der Website gibt es neben einer ausführlichen sportlichen Berichterstattung Informationen zur Vision des Vereins, zu Sponsoren und Investoren, sowie einen Shop mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Produkten. Am liebsten verwendet der Klub hellblaue, violette und rosa Farbtöne, die mit Schwarz gepaart schnell ins Auge stechen und hängen bleiben. Mehr noch, als es die rosa-schwarze Farbgebung vom Vorbild Angels City tut.

© Kai Heuser / FC Viktoria Berlin

Montagabend ist Bundesligaabend

»Ich finde es toll, was die sechs Frauen bei Viktoria Berlin leisten«, lobt Annika Rody, Director Media Rights bei SPORT1, das Projekt. Der Sportkanal setzt seit einiger Zeit vermehrt auf das Produkt Frauenfußball. »Seit eineinhalb Jahren beschäftigen wir uns intensiv mit Frauenfußball, denn nur mit neuen Sportarten kann man neue Zuseher dazugewinnen«, so Rody. SPORT1 zeigt jeden Montagabend die deutsche Frauen-Bundesliga und sicherte sich die Medienrechte bis inklusive der Saison 2026/27. Insgesamt sind es 22 Livespiele, die so pro Saison im Free-TV zu sehen sind. Im Schnitt schalten bei den Partien etwas mehr als 200.000 Zuseher ein. Bei Top-Spielen können es auch bis zu 500.000 sein. Die Erlöse aus den Medienrechten steigerten sich mit dem Erwerb des Rechte-Pakets durch SPORT1 erheblich. In der Saison 2022/23, als die Spiele noch nicht im Fernsehen zu sehen waren, betrugen die Erlöse 325.000 Euro pro Saison. Mit der TV-Präsenz erreicht man seit dieser Saison über 5,1 Millionen Euro, was eine sechzehnfache Steigerung bedeutet.

»Es kommen viele Leute ins Stadion, die sich davor nicht für Fußball interessiert haben und finden es richtig geil.«

»Wir freuen uns wahnsinnig, dass wir das Projekt mit dem Frauenfußball bei SPORT1 gestartet haben«, so Rody. Doch nicht nur Spiele der obersten Liga wurden bis jetzt gezeigt, auch zwei Matches von Viktoria Berlin waren bereits live zu sehen. Eines davon war das Relegationsrückspiel um den Aufstieg in die 2. Frauen-Bundesliga gegen den Hamburger SV vergangenen Juni, das die Berlinerinnen 1:3 verloren. Mit einem Gesamtscore von 1:6 verpasste Viktoria den Aufstieg klar. Die Partie im Stadion Lichterfelde besuchten 3.600 Zuseher, bei SPORT1 sahen 180.000 Menschen zu. Für ein Drittligaspiel ein großer Erfolg, wie Rody betont: »Wir nutzen den Kanal Frauen-Bundesliga und Viktoria Berlin, um positive Botschaften zu verbreiten.«

© Kai Heuser / FC Viktoria Berlin

Eine positive Botschaft im Vergleich zum Männerfußball ist die niedrige Gewaltbereitschaft auf den Tribünen. »Bei uns sind viele Familien mit ihren kleinen Kindern da, weil sie Lust haben am Sonntag rauszugehen, um etwas zu unternehmen. Und es kommen viele Leute ins Stadion, die sich davor nicht für Fußball interessiert haben und finden es richtig geil«, meint Währer, die außerdem eine Übersättigung bei so machen Zusehern des Männerfußballs feststellt. Sportlich läuft es für die Berlinerinnen in dieser Saison gut. Nach etwas mehr als der Hälfte der Saison kämpft Viktoria in der Regionalliga Nordost mit den Frauen von Union Berlin um die Tabellenspitze. Mit dem Gewinn der Meisterschaft würde im Sommer erneut eine Relegation um den Aufstieg warten. Ansonsten heißt es ab August ein weiteres Jahr Regionalliga. Für Währer und ihre Mitstreiterinnen würde damit der Bundesligaaufstieg bis 2027 in weite Ferne rücken, doch wer nichts ausprobiert, der kann auch nicht scheitern.

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