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Das schaut, hört und liest die Redaktion: Wir präsentieren unsere persönlichen Empfehlungen zu Serien, Dokumentationen, Reportagen, Podcasts und Büchern. Dieses Mal mit dabei: »Herzschlag« – die Autobiografie von Björn Borg, die den schwedischen Tennisstar so offen zeigt wie nie zuvor und erstmals den wahren Grund für sein frühes Karriereende offenlegt.
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Weitere InformationenBjörn Borg war der Inbegriff des stoischen Siegers. Mit versteinerter Miene jagte er seine Gegner über den Platz, fünf Wimbledon-Titel in Serie schienen seine Überlegenheit für die Ewigkeit zu zementieren. Doch mit gerade einmal 26 Jahren beendete er seine Karriere – ein Rätsel, das die Tenniswelt Jahrzehnte beschäftigte. In seiner von Borgs Frau Patricia verfassten Autobiografie »Herzschlag« liefert der Schwede nun die schonungslose Antwort.
Borg schildert, wie er mit 14 Jahren die Schule vorzeitig verließ, um sich ganz dem Tennis zu widmen. Die Ansichtskarten, die er von seinen Reisen schickte, waren voller Übermut – seine Art, mit den Menschen in Verbindung zu bleiben, die ihm nahestanden. Amüsiert erinnert er sich an einen »nutzlosen Balljungen«, der ihm keine Bälle vernünftig zuwerfen konnte und sich später als John McEnroe entpuppte. Der Höhepunkt seiner Karriere war Wimbledon 1975. Nach dem Finale gegen Ilie Năstase warf er seinen Schläger in die Luft und küsste die Trophäe – etwas, das er zuvor nie geplant hatte. Er sank auf die Knie, ein 20-Jähriger, der ohne Satzverlust gewonnen hatte, ein Kunststück, das seither nur Roger Federer wiederholen konnte.
Doch hinter der Fassade lauerte die Einsamkeit. Borg schildert das Leben auf der Tour als harte Routine: Aufwachen, Training, Match, Bett – in immer gleichen Hotelzimmern. Eine Anekdote mit Vitas Gerulaitis und Pink-Floyd-Bassist Roger Waters zeigt die andere Seite: Nach einer durchzechten Nacht kehrten die Tennisspieler ins Hotel zurück, während Waters bereits auf dem Platz Aufschläge übte. Der Schockmoment des Buches ist der Rücktritt. Borg beteuert, dass sein Abschied nichts mit einer Niederlage zu tun hatte. Er war die Nummer zwei der Welt und hatte die Weltrangliste 109 Wochen lang angeführt. Doch innerlich war er entwurzelt. »Wohin gehörte ich? Wo war mein Zuhause?«, fragte er sich. Offiziell sprach er von einer »Pause«, um den Schein zu wahren. Dieser Verlust führte ihn in die Drogensucht. Im Studio 54 probierte er erstmals Kokain, später erreichte er in Mailand einen Tiefpunkt. Seine damalige Frau Loredana rettete ihn 1989, als sie einen Krankenwagen rief. Er hatte einen Cocktail aus Drogen, Pillen und Alkohol geschluckt. Es war ein Hilferuf, kein Selbstmordversuch.
Mitte der 1990er-Jahre gab sein Herz bei einem Seniorenturnier in den Niederlanden auf. Er wachte im Krankenhaus auf, Schläuche am Körper, und sah den besorgten Blick seines Vaters. Bis heute schämt er sich dafür. Heute, an der Seite seiner Frau Patricia, hat Borg die Kurve bekommen. Sie setzte klare Grenzen und gibt ihm Sicherheit. Gemeinsam haben sie einen geregelten Alltag etabliert: Schlaf, Essen, Bewegung. Täglich geht er spazieren oder fährt Fahrrad. »Herzschlag« ist weit mehr als die Aneinanderreihung von Grand-Slam-Triumphen. Es ist das intime Tagebuch eines Mannes, der jahrelang hinter einer Fassade lebte, bis diese Risse bekam. Borg zeigt, dass es mehr Mut erfordert, sich Hilfe zu holen, als den nächsten Matchball zu verwandeln. Ein ehrliches, verstörendes und letztlich versöhnliches Dokument über die Zerbrechlichkeit selbst der größten Helden und die Kraft, neu anzufangen. 