Wir sollten alle ein bisschen mehr Alexander Manninger sein

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Alexander Manninger war vieles: Premier-League-Pionier, Torhüter auf höchstem Niveau und über zwei Jahrzehnte hinweg ein verlässlicher Profi. Vor allem aber war er einer, der sich selbst nie wichtiger nahm als seine Arbeit. Ein Nachruf auf einen Fußballer, der anders war als viele andere.

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Hinweis: Dieser Text wurde mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell aufbereitet.

Alexander Manninger ist tot. Der ehemalige Teamtorhüter und langjährige Profi von Arsenal, Juventus und Liverpool ist am 16. April 2026 bei einem Verkehrsunfall mit der Salzburger Lokalbahn in Nußdorf am Haunsberg verstorben. Manninger wurde 48 Jahre alt und hinterlässt eine Frau und zwei kleine Kinder.

Interviews mit Manninger hatten Seltenheitswert. Dabei hatte er viel zu erzählen. 22 Jahre Profifußball, Stationen in vier Ländern, Einsätze in den Top-Ligen Italiens, Englands und Deutschlands. 342 Spiele für Klub und Nationalteam, 97 davon ohne Gegentor. Er stand mit Spielern wie Gianluigi Buffon, Thierry Henry, Alessandro Del Piero und Dennis Bergkamp auf dem Platz und arbeitete mit Trainern wie Arsène Wenger, Jürgen Klopp oder Claudio Ranieri zusammen.

Und dennoch war da immer dieser Kontrast, der ihn auszeichnete.

»Ich war immer ein Arbeiter mit einer dicken Haut, der für seine Ziele kämpfte.«

Über Jahre hinweg war Manninger ein prägender Gesprächspartner des Sport Business Magazin. In seinen Aussagen entstand das Bild eines Profis, der sich nie über Status oder öffentliche Wahrnehmung definierte, sondern über Arbeit, Disziplin und Haltung.

Zwischen 2018 und 2026 kam es zu zahlreichen Begegnungen – im Redaktionsbüro, bei Interviews, im Zwischenstopp-Podcast und bei diversen Veranstaltungen. Es waren Gespräche, die in Erinnerung bleiben. Direkt, reflektiert und immer auf den Punkt. Manninger war dabei stets pünktlich, höflich und zuverlässig – jemand, der sich auf Anrufe, Nachrichten und E-Mails meldete und Verbindlichkeit lebte. Nach einem ausführlichen Hintergrundgespräch schrieb er einmal zurück: »Muss sagen eines der besten, die ich je gemacht habe … Kompliment, super Arbeit.«

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Seine sportliche Laufbahn war dabei alles andere als gewöhnlich. Mit Arsenal gewann er 1998 das Double aus Meisterschaft und FA Cup, mit Juventus Turin 2012 die italienische Meisterschaft. Er war der erste Österreicher in der Premier League, wurde 2008 von der Gazzetta dello Sport zum besten Torhüter der Hinrunde der Serie A gewählt und vertrat bei Juventus über weite Strecken erfolgreich Gianluigi Buffon.

Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen in Salzburg, blieb er seinen Wurzeln immer verbunden. Die Tischlerlehre war für ihn nie nur eine Absicherung, sondern Teil seiner Identität. »Sollte es mit Fußball nichts werden, bin ich zumindest Tischler«, sagte er – und bezeichnete sich selbst später als »gelernten Tischler mit Weltkarriere«. Fußball verstand er als Handwerk, nicht als Bühne.

Seine Karriere führte ihn mit 19 Jahren zum FC Arsenal ins Ausland. Als erster Österreicher in der Premier League war ihm die besondere Rolle bewusst. »Wo der erste zu sein, diesen Reiz, glaube ich, kann man keinem nehmen.« Dass er dabei häufig die Rolle des zweiten Torhüters einnahm, bewertete er nüchtern. Entscheidend war für ihn das Umfeld: »Wenn ich irgendwo fremd bin, dann will ich in einer Topfirma sein.«

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Diese Klarheit zeigte sich auch in seinem Zugang zum Leistungssport. Druck gehörte für ihn selbstverständlich dazu. »Wenn ein Sportler mit diesem Druck nicht umgehen kann, ist er nicht der Richtige für diesen Job.« Disziplin war für ihn kein Zwang, sondern Antrieb: »Disziplin kann auch motivieren.« Und er stellte Fragen, die bewusst einfach gehalten waren: »Bin ich mehr am Trainingsplatz als am Telefon?«

Erfolg maß Manninger nicht nur an Titeln. Besonders wichtig waren ihm Momente, die nach außen oft unsichtbar bleiben. Den Klassenerhalt mit kleineren Vereinen bezeichnete er als seine »kleinen Titel« – Leistungen, die vielleicht nicht in Statistiken stehen, aber bleiben: »Die sieht man vielleicht dann nicht auf der Autogrammkarte, aber man hat sie gespeichert.« Den Abschluss seiner Karriere beim FC Liverpool unter Trainer Jürgen Klopp beschrieb er als stimmig: »Ich bin mit 19 zu Arsenal und hörte mit fast 40 bei Liverpool auf – damit hat sich für mich ein Kreis geschlossen.«

Mit der Entwicklung des modernen Fußballs setzte er sich kritisch auseinander. Die zunehmende Inszenierung und der Fokus auf Äußerlichkeiten waren ihm fremd. »Heute glauben viele, dass das Smartphone einen behandelt, massiert und pflegt – das ist eben nicht der Fall.« Dinge abseits des Spiels hätten aus seiner Sicht an Bedeutung gewonnen. Er selbst verzichtete bewusst auf Social Media.

Auch seinem eigenen Status begegnete er mit Distanz. Auf die Bezeichnung »Legende« reagierte er mit einem Wortspiel: »Legende übersetzt heißt eigentlich was anders … LEG END.« – also schlicht das Fußende. Typisch für Manninger, der große Begriffe nie größer machte, als sie für ihn waren.

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Nach seiner aktiven Karriere kehrte er nach Salzburg zurück und suchte bewusst den Abstand zum Profifußball. Manninger stellte sich die Frage: »Wer bin ich, was bin ich?« Die Antwort fand er im Alltag – im Handwerk, im Bauen, im Gestalten und in der Familie. Der gelernte Tischler arbeitete an eigenen Projekten, reparierte Dinge selbst und blieb jemand, der gerne anpackte und entschied. Seine Freizeit verbrachte er oft in der Natur – beim Fischen, Wandern oder auch beim Skifahren und Golfspielen. Gleichzeitig entwickelte er durch seine Jahre in Italien eine enge Verbindung zur Kultur und Lebensart des Landes. Sein Alltag war bewusst einfach gehalten und geprägt von seiner Familie. Früh aufzustehen war für ihn selbstverständlich – nicht zuletzt wegen seiner beiden kleinen Kinder, für die er auch um sechs Uhr morgens gerne bereitstand. Es war ihm wichtig, wieder einer geregelten Arbeit nachzugehen – auch als Vorbild: »Ich möchte meinen Kindern sagen können: Ich gehe in die Arbeit.«

Manninger hatte seinen Platz gefunden – abseits der großen Bühnen. »Es freut mich, wenn ich als Mensch und nicht als ehemaliger Fußballprofi wahrgenommen werde«, sagte er einmal.

Alexander Manninger war kein lauter Fußballer. Aber einer mit klaren Prinzipien. Einer, der den Sport als Arbeit verstand – und sich selbst nie wichtiger nahm als das, was er tat.

Ein Arbeiter mit dicker Haut – und dem Gespür für das Wesentliche im Leben.

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