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Moral verworfen? Milliardenfusion im Golfsport

Lesedauer: 3 Minuten

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Aus Feinden werden Freunde. Die aus Saudi-Arabien finanzierte LIV-Serie und die prestigeträchtige PGA-Tour wollen künftig unter einem Dach operieren. Die Branche gespalten: von neuer Ära und Erleichterung zu Betrug und Triumph des Sportswashings.

© 2022 L.E.MORMILE/Shutterstock

»Historischer Tag« im Golfsport

Es ist eine Meldung, die für großes Aufsehen innerhalb der Golfwelt sorgt – und Entsetzen sowie Unverständnis bei den Profis hervorruft. Zwei Jahre lang herrschte »Krieg« zwischen der aus Saudi-Arabien finanzierten LIV-Tour und der PGA- sowie DP-World-Tour. Jetzt machen die Touren gemeinsame Sache, gründen eine Organisation. PGA-Boss Jay Monahan spricht von einem »historischen Tag für das Spiel, das wir alle kennen und lieben«.

Im Oktober 2022 meinte er noch: »Ein Treffen und eine Unterhaltung sind für mich vom Tisch – und meiner Meinung schon seit langer Zeit.« Auch LIV positionierte sich damals deutlich. »Wir haben kein Interesse daran, uns mit ihnen zusammenzusetzen – um ehrlich zu sein, vor allem weil unser Produkt funktioniert«, so der australische LIV-Boss Greg Norman. Woher also der plötzliche Sinneswandel?

Tiger Woods: »Wo ist der Anreiz, da rauszugehen und sich das Geld im Dreck zu verdienen? Sie bekommen einfach eine Menge Geld im Voraus bezahlt, spielen ein paar Turniere und 54 Löcher.« 

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Heftige Kritik: »Ich fühle mich betrogen«

Die LIV-Turniere standen seit ihrem Debüt im Juni 2022 aufgrund des Millionen-Investments aus Saudi-Arabien massiv in der Kritik – Stichwort Sportswashing. Langjährige Golfstars wie Rory McIlroy und Tiger Woods positionierten sich öffentlichkeitswirksam gegen die Serie: »Wo ist der Anreiz, da rauszugehen und sich das Geld im Dreck zu verdienen? Sie bekommen einfach eine Menge Geld im Voraus bezahlt, spielen ein paar Turniere und 54 Löcher.« Nun ist der saudische Staatsfond PIF (Public Investment Fund) Teil eines neuen Unternehmens, das die Geschäfte der Touren vereinen soll.

Nicht jedem Spieler dürfte dieser Zusammenschluss gefallen. PGA-Chef Monahan erntete bereits heftige Kritik, auch weil die Profis von der Fusion im Internet erfuhren. »Ich fühle mich betrogen und werde für eine sehr lange Zeit nicht in der Lage sein, irgendjemand auf der Unternehmensseite der PGA zu vertrauen«, twittert der amerikanische Golfprofi Wesley Bryan. Auch zahlreiche internationale Medien sparen nicht mit Kritik, so schrieb der englische Guardian von einem »gigantischen Sieg des Sportswashing«.

Bernd Wiesberger: »Der gesunde Menschenverstand hat gesiegt.«

© Getty Images / Red Bull Content Pool

Rechtstreit beendet, Wiesberger zurück

Mit der Bekanntgabe des Deals wird nun auch der bis zuletzt vorherrschende Rechtstreit zwischen den Touren beendet. Der im kommenden Jahr geplante Gerichtstermin in Kalifornien findet ebenfalls nicht statt. Die Zeichen stehen auf Neuanfang. Und so sollen suspendierte Spieler von der LIV-Tour wieder zur PGA- oder DP-World-Tour zurückkehren dürfen. Darunter auch der Österreicher Bernd Wiesberger. »Der gesunde Menschenverstand hat gesiegt«, lautete seine unmittelbare Stellungnahme auf Social Media.

Wie die drei Touren nebeneinander agieren werden, ist derzeit noch völlig unklar. In einem Statement von PGA-Commissioner Monahan hieß es lediglich: »Das wird eine neue Ära im globalen Golfsport einläuten – zum Besseren.«

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