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Harald Fux: Der kreative Projektleiter hinter der Red Bull Arena [Spezial]

Lesedauer: 5 Minuten
© Mario Urbantschisch

Der Sportarchitekt Harald Fux hat das Stadion Wals-Siezenheim vom Entwurf bis zur Baugenehmigung und finalen Übergabe begleitet. Ein Gespräch über Innovationen, Finanzierbarkeit und die neue Raiffeisen-Arena des LASK.

© SPORT-Bildagentur krugfoto

Der Stadionplaner Harald Fux ist gebürtiger Freistädter und hat sich zuletzt mit dem Zuschlag für den Stadionneubau der Raiffeisen-Arena des LASK in Linz einen Namen gemacht. Der Architekt ist mit dem Studio »Raumkunst«, das er zusammen mit Christine Diethör führt, auf die Planung von Sportstätten spezialisiert. Beim Stadionbau vor 20 Jahren in Wals-Siezenheim zeichnete er als Projektleiter im Angestelltenverhältnis für das Architekturbüro Albert Wimmer verantwortlich.

© Mario Urbantschisch

Herr Fux, Sie waren beim Stadionneubau in Wals-Siezenheim als Projektleiter der Dreh- und Angelpunkt zwischen Planern, den Verantwortlichen aus Politik, Sport und Wirtschaft sowie den ausführenden Firmen. Wie haben Sie Ihre Aufgabe damals erlebt?

Beim Architekturwettbewerb, der 1999 ausgeschrieben wurde, ging das Düsseldorfer Büro »Schuster Architekten« als Sieger hervor, das Büro Albert Wimmer wurde zweiter. In weiterer Folge bildeten das Büro Albert Wimmer sowie Schuster Architekten eine Arbeitsgemeinschaft, die als Generalplaner – vom Entwurf bis zur Umsetzung alle Planungsleistungen – erfüllte. Das bedurfte unter anderem auch einer intensiven Zusammenarbeit mit den vielen Stakeholdern wie dem Landesbaudirektor Alfred Denk, Anton Pichler, Wolfgang Becker und Rudi Quehenberger. Aber auch mit der politischen Seite rund um den engagierten Walser Bürgermeister Ludwig Bieringer, dem Salzburger Landeshauptmann Franz Schausberger und dem Sportlandesrat Othmar Raus war ich im Austausch.

In einem Satz ausgedrückt: Mein Aufgabengebiet in der Projektleitung umfasste das breite Spektrum von den Genehmigungen über den inhaltlichen Entwurf und die Ausführung bis hin zur Übergabe.

Es macht einen Unterschied, ob ein finanzkräftiger Verein Auftraggeber ist, oder die öffentliche Hand.

Was war damals aus baulicher Sicht besonders innovativ im Rahmen eines Stadionneubaus?

Sicher neu in der Stadionplanung war die Grundkonzeption eines Verteilerrings, der umlaufend begangen werden kann. Darüber hinaus bauten wir das erste Stadion in Österreich, das eine abgesenkte Typologie hatte. In Salzburg betritt man den Zuschauerraum mittig von oben nach unten. Überall sonst war das zu diesem Zeitpunkt noch umgekehrt.

Ein weiteres Novum war das transluzente Dach, wonach sich der Fußballrasen selbst unter der Eindeckung noch an viel Sonnenlicht erfreuen kann. Auch haben wir von Anfang an eine Erweiterung der Stadionkapazität mitgedacht, auch in Hinblick auf die Bewerbung für die Europameisterschaft 2008. Das hatte zur Folge, dass wir die Fundamente und die Stützen für einen zusätzlichen Oberrang bereits mitgebaut haben. Die unterirdische Zufahrt für die Spieler mit dem getrennten Eingang für die gegnerische Mannschaft war ebenso innovativ und stellt bis heute eine wichtige Qualität des Stadions dar.

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Welche neuen Überlegungen kamen für Sie in der Planung in Sachen Wirtschaftlichkeit des Stadions zum Tragen?

Auch hier gab es in Salzburg ganz neue Ansätze, die auch planerisch ihre Umsetzung finden mussten. Mit Anton Pichler als Marketingspezialisten wurden gute Ideen entwickelt und groß gedacht, was Sky-Boxen, Business-Lounge oder VIP-Areas betrifft. So etwas sah man zu diesem Zeitpunkt nur bei international groß aufspielenden Klubs. Wichtig war dabei auch die Zweiteilung zwischen Business- und VIP-Klub auf unterschiedlichen Ebenen.

Wir mussten aber immer die Finanzierbarkeit im Sinne der Landesgesellschaft als Bauherren im Auge behalten. Es macht einen Unterschied, ob ein finanzkräftiger Verein Auftraggeber ist, oder die öffentliche Hand. Wir mussten punktgenau auf Termin und Kosten errichten.

Ich bin stolz darauf, dass wir damals bereits auf die Qualität der Materialen geachtet und nachhaltig gebaut haben.

Wenn Sie zwei Jahrzehnte später das Stadion in Wals-Siezenheim besuchen, mit welcher Wahrnehmung tun Sie das?

Ich finde es bis heute faszinierend, welch lebendiger Ort der Begegnung dieser Platz für jede Alters- und Gesellschaftsschicht an jedem Tag – auch abseits des Fußballgeschehens – ist. Dazu tragen auch das Konzept und die Gastronomie des heutigen Betreibers bei. Ich bin stolz darauf, dass wir damals bereits auf die Qualität der Materialen geachtet und nachhaltig gebaut haben. Dass im Rahmen der Erweiterung das Dach nicht zerlegt, sondern nur gehoben werden musste und die Steher dafür parat standen, war vorausschauend geplant.

© Mario Urbantschisch

Sie haben Ende 2003 das Architekturbüro Albert Wimmer verlassen, sind erstmal auf Bauherrenseite gewechselt und haben kürzlich mit Ihrem Architekturstudio »Raumkunst« den Zuschlag für die neue Raiffeisen-Arena des LASK bekommen. Hat der erfolgreiche Stadionbau in Wals-Siezenheim einen positiven Einfluss auf Ihre weitere Karriere genommen?

Da ich in Salzburg im Namen von Albert Wimmer agiert habe, war es für mich als Person kein großes Renommee. Was aber viel wichtiger ist, sind die daraus gewonnenen Kontakte wie zur UEFA – und die Learnings.

Ich habe beim Stadionbau in Wals richtig gespürt, wie es den Athleten geht und wie Veranstaltungen funktionieren. Damals haben wir uns erstmalig über Business Cases von Stadien unterhalten. Die Rahmenbedingungen für perfekt inszenierte Abläufe für Spieler, Funktionäre, VIPs, Business-People, der Presse und den Fußballfans schafft schließlich der Stadionplaner. Das habe ich vor 20 Jahren in Salzburg so richtig verstanden. Dafür bin ich Albert Wimmer bis heute dankbar, dass ich in jungen Jahren – ich war damals noch keine 30 Jahre alt – bereits so viel Verantwortung übernehmen durfte.

Herr Fux, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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