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Foto: Getty Images / Red Bull Content Pool | Dieser Beitrag ist ursprünglich in der 35. Ausgabe des Sport Business Magazin (02-2022) erschienen.

FORMEL 1 Viele Fans träumen davon, einmal in der Formel 1 zu fahren. Eine ganze Menge scheut keine Kosten und Mühen, um sich im Rennsport nach oben zu arbeiten. Am Ende gibt es aber nur 20 der begehrten Cockpits.

Mit 350 Sachen um die Wette zu fahren, gegen die besten Piloten der Welt in PS-Monstern auf den spektakulärsten Strecken an den schillerndsten Orten anzutreten – ein Pilot in der Formel 1 zu sein. Diesen Wunsch würden sich viele Fans nur allzu gerne erfüllen. Aber wird man nun wirklich Formel-1-Rennfahrer? Harry Miltner – seit 20 Jahren in der Formel 1 tätig – zeigt gemeinsam mit Rennfahrermanager Viktor Lienhart auf, welche Wege es als Fahrer auf den Motorsportgipfel gibt.

EINSTIEGSDISZIPLIN Der Kartsport ist die Grundlage für jede Art von Autorennsport – am besten möglichst früh einsteigen. | © KSP Reportages

Schritt 1: Kartsport

Die Basics des Rennfahrens lernt man auch heute noch im Kart. Die kleinen Flitzer zeigen einem die Grundtechniken, lehren einen ein Fahrzeug so schnell wie möglich über einen Kurs zu bewegen, wie körperlich anstrengend Rennfahren ist, und wie viel psychischer Druck auf einen in Rad-an-Rad-Duellen zukommt. Formel-1-Weltmeister Max Verstappen saß schon mit vier Jahren im Kart und bestritt als siebenjähriger Knirps seine ersten Rennen.

Nationaler Kartsport

Es ist wichtig im heimischen Umfeld zu beginnen, damit sich die Kids sicher und wohlfühlen und sich so voll und ganz auf das Erlernen der Grundlagen der Fahrtechnik (Rennlinie, Bremspunkte, und so weiter) konzentrieren können.

Die Hauptlast liegt bei den Eltern. Sie sind Teamchefs und Sponsoren in einem. Einen Driver-Coach und einen Mechaniker braucht man auf alle Fälle auch.

Alter* 5 bis 10 Jahre

Fahrerbezahlung: keine

Sponsoringchancen: praktisch Null

Fahrzeugkosten: mindestens 4.000 Euro

Saisonbudget**: rund 70.000 Euro

Internationale Kartserien

Sobald die Jungpiloten eine Meisterschaft im Ausland bestreiten, fahren sie in einem professionell geführten Team. Dort geht es bereits um Skills wie das Rennen lesen, technisches Verständnis, Vor- und Nachbesprechungen mit dem Renningenieur und oft auch erstes wirtschaftliches Know-how.

Die Eltern fungieren noch als Hauptsponsor, aber das Team ist professionell aufgestellt, hat einen Driver-Coach und Mechaniker. Jetzt ist es aber Zeit für einen Fitnesstrainer, einen Management-Berater und einen persönlichen Presseverantwortlichen.

Alter: 10 bis 15 Jahre

Bezahlung für den Fahrer: keine

Sponsoringchancen: sehr gering

Fahrzeugkosten: ab 6.000 Euro

Saisonbudget: rund 250.000 Euro

TRAUMBERUF Die Formel 1 ist das große Ziel jedes Nachwuchsrennfahrers, aber letztlich gibt es nur 20 freie Plätze. | © Getty Images / Red Bull Content Pool

Schritt 2: Nachwuchs-Formel-Serien

Wer sich im Kart durchsetzen konnte, ist bereit für den nächsten Schritt: den Einstieg in eine der Junior-Formel-Serie. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sowohl fahrzeugtechnisch wie auch regional. Der heute übliche Weg ist in die Formel 4 zu gehen, aber man kann auch ein erstes Jahr in der Formel Ford oder der ProMazda Series absolvieren. Im Formelwagen wird dem Talent noch der Feinschliff gegeben, werden Siegeswille und realistische Selbsteinschätzung gefördert.

Das Geld der Eltern allein wird wohl nicht mehr reichen. Ein Manager muss sich um die Verträge mit dem Team, aber auch um weitere Sponsoren kümmern. Driver-Coach, Fitnesstrainer sowie Medien-, Social-Media- und PR-Berater bleiben, vielleicht holt man noch einen Mentaltrainer ins Boot.

Alter: 15 bis 17 Jahre

Bezahlung für den Fahrer: keine

Sponsoringchancen: gering

Saisonbudget: rund 300.000 Euro

Schritt 3: Formel 3

Nachdem man sich in den Jugendserien die Basis für eine Formelkarriere erarbeitet hat, geht es nun in der Formel 3 darum, sich in die Notizblöcke der Teamchefs zu fahren. Mit 17 Jahren ist die Grundausbildung abgeschlossen und die Teams erwarten sich mehr als nur Talent.

Der Manager muss gemeinsam mit den Eltern das Budget aufstellen, mit dem Fahrer das Team auswählen, dazu braucht es einen Driver-Coach, einen Fitnesstrainer, einen Mentaltrainer, einen Medien-, Social-Media- und PR-Berater.

Alter: 17 bis 19 Jahre

Bezahlung für den Fahrer: keine

Sponsoringchancen: mittel

Saisonbudget: mindestens 700.000 Euro

JUNIOR KATEGORIEN Die Teams erwarten sich mehr als nur Talent. | © Dutch Photo Agency

Schritt 4: Formel 2, Super Formula oder Indycar

Der letzte Schritt, bevor man tatsächlich Formel-1-Fahrer werden kann, ist fast immer der Gang über die Formel 2. Einige Piloten beweisen sich auch in der US-amerikanischen Indy-Serie – aber selten.

Das Management muss das Budget aufstellen, mit dem Fahrer das Team auswählen, dazu braucht es einen Driver-Coach, einen Fitnesstrainer, einen Mentaltrainer, einen Medien-, Social-Media- und PR-Berater.

Alter: 17 bis 21 Jahre

Bezahlung für den Fahrer: keine (außer im Juniorprogramm eines Herstellers)

Sponsoringchancen: gut

Saisonbudget: ab 1,3 Millionen Euro

Wie werde ich Formel-1-Pilot? Vom Traum zur Wirklichkeit in 5 Schritten

NICHT PLANBAR Ungeachtet des Talents spielt auch Politik eine entscheidende Rolle. | © Getty Images / Red Bull Content Pool

Umweg: GT-Sport oder Langstrecke

Wer sich die Formel 2 nicht leisten kann, aber alle fahrerischen Qualitäten dafür aufweist, kann es über Umwege versuchen, in einer guten GT-Serie oder über die Langstrecken- Weltmeisterschaft ein Formel-1-Team auf sich aufmerksam zu machen. Vielleicht begeistert man auch einen Hersteller, der einen dann in sein Juniorprogramm aufnimmt und fördert.

Der Manager muss gemeinsam mit den Eltern das Budget aufstellen, mit dem Fahrer das Team auswählen, dazu braucht es einen Driver-Coach, einen Fitnesstrainer, einen Mentaltrainer, einen Medien-, Social-Media- und PR-Berater.

Alter: 17 bis 20 Jahre

Bezahlung für den Fahrer: keine (außer im Juniorprogramm eines Herstellers)

Sponsoringchancen: gut

Saisonbudget: mindestens 300.000 Euro

Schritt 5: Formel-1-Fahrer

Wer sich in der Formel 2 oder ähnlichem beweist und über genügend finanzielle Ressourcen verfügt, könnte tatsächlich Formel-1-Fahrer werden – allerdings wird man wahrscheinlich in einigen Serien mehr als nur eine Saison absolvieren müssen.

Zuerst wird man vom Formel-1-Team zu privaten Testfahrten eingeladen. Kann man auch dort überzeugen und hat gleichzeitig durch die erfolgreiche Teilnahme an einer anderen hochrangigen Rennserie genügend Punkte für die so genannte Superlizenz, könnte einen das Formel-1-Team bei den Young-Driver-Tests am Saisonende starten lassen.

Absolviert man auch diese zur vollen Zufriedenheit, winkt einem wohl der Einsatz bei einem freien Training an einem Grand-Prix-Wochenende im Rahmen eines Vertrags als Entwicklungsund Simulatorfahrer des Teams. Als solcher arbeitet man ein, zwei Jahre intensiv mit dem Team, lernt die Abläufe kennen, und startet vielleicht sogar als Ersatzpilot. Erst dann ist man bereit für das ganze große Abenteuer – Stammfahrer in der Formel 1.

Bei all diesen Überlegungen darf man nicht vergessen, dass gerade in der Formel 1, aber auch bereits in den Formeln 2 und 3 »Politik« eine große Rolle spielt. Wenn der politische Wille nicht da ist, einen Piloten zu nehmen, hilft meist nicht einmal das finanzielle Budget, ungeachtet des Talents. #

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