Das ist kein Spaziergang: Martin Zinggls 2.400 Kilometer auf dem Sultans Trail [Empfehlung]

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Das schaut, hört und liest die Redaktion: Wir präsentieren unsere persönlichen Empfehlungen zu Serien, Dokumentationen, Reportagen, Podcasts und Büchern. Dieses Mal mit dabei: »Das ist kein Spaziergang« von Martin Zinggl – die außergewöhnliche Geschichte einer 2.400 Kilometer langen Wanderung von Wien bis Istanbul, voller Begegnungen, Herausforderungen und stiller Momente der Erkenntnis.

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Während Tausende von Pilgern Jahr für Jahr den überfüllten Jakobsweg nach Santiago de Compostela beschreiten, wählt Martin Zinggl bewusst einen anderen Weg. Der Ethnologe und Reporter sucht nicht die Gemeinschaft der Massen, sondern die Stille der Einsamkeit – und findet sie auf dem weitgehend unbekannten Sultans Trail. Statt nach Westen wendet sich Zinggl nach Südosten: 2.400 Kilometer liegen vor ihm, von Wien bis Istanbul. Die Route führt durch sieben Länder – Österreich, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien und Griechenland – und endet schließlich in der Türkei.

Mit einer letzten Wiener Topfengolatsche im Magen macht er sich auf den Weg, ohne spezielle Vorbereitung, ohne Weitwandererfahrung. Was der Neo-Weitwanderer auf seiner 102-tägigen Reise erlebt, beschreibt er in seinem Buch »Das ist kein Spaziergang« (Knesebeck, 2025) als faszinierendes Kaleidoskop menschlicher Erfahrungen. Da ist die überwältigende Gastfreundschaft der Menschen, die neugierig und hilfsbereit sind. Da sind atemberaubende Landschaften und geschichtsträchtige Städte, die er zu sehen bekommt.

Doch es gibt auch negative Erlebnisse: Nationalismen und tiefsitzende Vorurteile gegen die Bevölkerungen der Nachbarländer begegnen ihm an vielen Stationen. Diese Erfahrungen lassen den Ethnologen nachdenklich werden – besonders, wenn er auf der sogenannten Balkanroute auf Menschen trifft, die in die entgegengesetzte Richtung fliehen, auf der Suche nach Sicherheit in Mitteleuropa.

Der untrainierte Wanderer zahlt einen hohen körperlichen Preis für sein Abenteuer. Wiederkehrende Beschwerden plagen ihn, 40-Grad-Hitze setzt ihm zu, aggressive Straßenhunde attackieren und beißen ihn. Als Istanbul nur noch wenige Tagesetappen entfernt ist, ist Zinggl am Ende seiner Kräfte – körperlich wie mental steht er kurz vor dem Aufgeben.

Doch dann klopft in Çerkezköy völlig unerwartet sein Freund Manuel an die Hoteltür – extra aus Österreich angereist, um die letzten Kilometer gemeinsam zu bewältigen: eine Geste der Freundschaft. Nach 102 Tagen erreicht Zinggl schließlich Istanbul und den Sarkophag Sultan Süleymans I., des Namensgebers des Trails. Der Sultan brauchte 1529 für denselben Weg – allerdings in umgekehrter Richtung, von Istanbul nach Wien – 141 Tage. Zinggl war schneller.

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