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Foto: alphaspirit | Dieser Beitrag ist ursprünglich in der 34. Ausgabe des Sport Business Magazin (01-2022) erschienen.

GASTBEITRAG Die Fußballsaison geht in die entscheidende Phase, den Fans bringen die Spiele Unterhaltung und Spannung, den Vereinen Millionen. Doch den Klubs entstehen auch hohe Kosten, die nicht zu vernachlässigen sind. Aber wie hoch sind diese eigentlich? Branchenkenner und Spitzenfunktionär Markus Kraetschmer über die Bilanz eines durchschnittlichen Fußballspiels.

Sonntag, 17.00 Uhr – das Spitzenspiel der Österreichischen Fußball-Bundesliga wird angepfiffen, eine von sechs Partien eines Spieltags und jede dieser Partien verursacht unterschiedliche Veranstaltungskosten. Aber wie viel kostet ein Fußballspiel?

Spiele von Profimannschaften sind Veranstaltungen, die ähnlich wie Konzerte, Formel-1-Rennen oder Tennisturniere bei der zuständigen Behörde anzumelden sind. Zuständig ist die lokale Veranstaltungsbehörde, in Wien die MA-36 V. In Österreich unterliegen Veranstaltungen dem Landesgesetzgeber, demnach gelten in Vorarlberg andere Rahmenbedingungen als in anderen Bundesländern. Abhängig vom Wettbewerb gibt es verschiedene Vorgaben der Behörden und des jeweiligen Regulativs. Ein Fußballspiel erfordert bereits im Vorfeld viel Planung, einige Behördenwege und zahlreiche interne sowie externe Meetings. Ebenso kostenbeeinflussend ist die Dauer der Veranstaltung, zum Beispiel wie viele Stunden vor Öffnung der Stadiontore die Ordner ihren Dienst beginnen, wann bestimmte Bereiche wie die Fantribüne geöffnet werden und wie lange sie nach Spielschluss noch benutzt werden dürfen.

Diese Analyse beschränkt sich auf die direkten Kosten eines Spieltags. Personalkosten von Voll- und Teilzeitmitarbeitern werden nicht ausgewiesen. Ebenso werden lediglich die unmittelbaren Veranstaltungskosten dargestellt und kalkuliert. Nicht inkludiert sind indirekte Kosten wie die Anreise oder die Beherbergung des Teams.

Die Angaben berufen sich auf den Erfahrungen des Spielbetriebs in der Generali-Arena in Wien-Favoriten, dem Heimstadion des FK Austria Wien. In der 17.500 Plätze fassenden Arena finden neben den Fußballspielen in etwa 50 bis 150 »Non-Matchday-Veranstaltungen« wie Seminare, Firmenpräsentationen, Filmproduktionen, Feiern oder Kongresse pro Jahr statt. Eine Auflistung der wesentlichen Kosten und die Erläuterung der dazugehörigen spezifischen Problemstellungen – vom Geister- und Freundschaftsspiel, bis hin zum Bundesligaspieltag und Spiel auf internationalen Ebene.

MARKUS KRAETSCHMER »Die täglichen Kosten für eine Rasenheizung belaufen sich zwischen 2.500 und 3.000 Euro« | © Christian Hofer

Sicherheitskosten: 2.650 bis 72.600 Euro

Die Anzahl der externen Ordner wird durch die für das Spiel geltenden Regularien, die Summe der geöffneten Sektoren im Stadion und auch die Einschätzung der Gefahrenlage – Stichwort rivalisierende Fangruppen – bestimmt. Aus diesen Faktoren wird die Summe der Ordner berechnet und festgelegt, ab wann und wie lange welche Sektoren besetzt werden.

Klubeigene Ordner werden in bestimmten Sektoren zum Beispiel der Fantribüne oder an neuralgischen Punkten im Stadion zusätzlich zu den externen Dienstleistern und der Polizei eingesetzt, um potentielle Konflikte proaktiv zu vermeiden. Die Regularien der Verbände sehen vor, dass auch der Gastverein klubeigene Ordner mitsenden muss, wenn eine bestimmte Anzahl an Auswärtsfans erreicht ist. Die Kosten dafür trägt der gastgebende Verein.

Die Anzahl der Polizisten wird von der lokalen Veranstaltungsbehörde unter Berücksichtigung der erwartenden Besucherzahl und Einschätzung der Gefahrenlage festgelegt. Die Kosten dafür trägt der Veranstalter und damit der Heimverein.

Manche lokale Gesetzgeber verlangen den Einsatz eines oder mehrerer Brandschutzbeauftragter. Es handelt sich dabei um externe Spezialisten mit entsprechender Qualifikation.

In Österreich wird der Rettungsdienst in der Regel durch das Rote Kreuz oder den Samariterbund gestellt. Auch hier schreibt das lokale Veranstaltungsgesetz die Zahl der Sanitäter und Ärzte vor. In Einzelfällen erfordert das Regulativ – beispielsweise der UEFA – zusätzliches medizinisches Personal.

Nicht zu unterschätzen sind Strafzahlungen aufgrund Fehlverhaltens einzelner Fangruppen. Hier ist zwischen Strafen der Behörde – Verstoß gesetzlicher Vorgaben oder Auflagen – und des jeweiligen Verbands – Bundesliga, ÖFB oder UEFA – zu unterscheiden.

TEURE VIP-BEREICHE »In großen Stadien kostet das Catering bis zu 120.000 Euro pro Spiel« | © FK Austria Wien/Reitler Markus

Andere Veranstaltungsbereiche: 4.900 bis 10.800 Euro

In anderen Bereichen agieren die Vereine sehr unterschiedlich. Viele bedienen sich externer Dienstleister, andere arbeiten mit klubeigenen (Teilzeit-)Kräften. Häufig gibt es eine Abhängigkeit zur Infrastruktur, ob der Verein selbst Betreiber, Eigentümer oder »lediglich« Mieter des Stadions ist und wie viele Veranstaltungen an Nicht-Spieltagen stattfinden.

Die Kosten des Kassierpersonals variieren stark. Die Klubs versuchen vermehrt durch Online-Ticketing, den Verkauf physischer Eintrittskarten vor Ort zu reduzieren.

Die Kosten der Reinigungsfirma korrelieren in der Regel mit der Anzahl der Besucher und geöffneten Sektoren. Manchmal kann es hier zu Zusatzkosten durch Zuschläge für Arbeitseinsätze außerhalb der Normzeiten kommen. Die Vereine versuchen mithilfe innovativer Konzepte wie durch den Einsatz von Mehrwegbechern, Müll und die damit verbundene Arbeitszeit zu reduzieren.

Bedeutend für ein Fußballspiel sind auch die klubeigenen oder externen Elektriker. Ein Stromausfall kann zu einer Unterbrechung beziehungsweise im schlimmsten Fall zu einem Abbruch der Veranstaltung führen. Im Hinblick auf die Kosten ist besonders ein Flutlichtausfall problematisch. Es drohen Strafen vom Verband, die bis zum Ausschluss aus einem Bewerb reichen.

Ebenso bedarf die Abwicklung eines Spiels dem umfangreichen Einsatz an Infrastruktur und Personen in der Stadiontechnik: von der Steuerung der Vidiwalls, der IT, Stadionsprecher, Maskottchen, Sponsoringaktionen, Ehrungen und so weiter. Abhängig von der Anzahl der Zuseher sind zwischen drei und 30 Personen im Einsatz.

SICHERHEIT »Bei Fehlverhalten der Fans drohen Strafen in der Höhe von 10.000 Euro« | © Volodymyr

Energiekosten 4.500 bis 30.000 Euro

Die Treiber der Energiekosten sind das Flutlicht sowie die Rasenheizung. Selbst bei strahlendem Sonnenschein im Hochsommer muss das Flutlicht im Stadion eingeschaltet werden. Hintergrund dafür sind die Vorgaben der TV-Partner, die für eine entsprechende Übertragungsqualität künstliche Lichtquellen benötigen. Ebenso bestimmt das Regulativ des jeweiligen Bewerbs die Lichtstärke des Flutlichts. So gibt es beispielsweise Unterschiede zwischen der zweithöchsten Spielklasse und der Champions League.

Besonders in den Wintermonaten werden die Heizungskosten – insbesondere jene der Rasenheizung – zum entsprechenden Kostenfaktor. Um ein Spiel planmäßig abwickeln zu können, müssen die Klubs die Rasenheizung bereits einige Tage zuvor aktivieren – vergleichbar mit einer Fußbodenheizung. Die Kosten pro Tag belaufen sich zwischen 2.500 und 3.000 Euro.

Umso wichtiger wird es für die Vereine, entsprechendes Ressourcenmanagement zu betreiben. In Zeiten stark steigender Energiepreise sowie den immer häufiger diskutierten CSR- und Umweltvorgaben werden für die Klubs diese Kosten in den nächsten Jahren von hoher Bedeutung sein.

Abgaben und Steuern 500 bis 150.000 Euro

Direkt im Zusammenhang mit den Einnahmen aus dem Ticketing stehen Abgaben an die Bundesliga oder Landesverbände sowie Steuern wie der Sportförderbeitrag.

Bei den größeren Stadien sind darüber hinaus die VIP-Spesen ein hoher Kostenfaktor. Die Klubs bedienen sich meist externer Caterer, die die Preise für Speisen und Getränke inklusive dem eingesetzten Personal in einen Kostensatz pro Person kalkulieren. Dabei gibt es je nach Arena verschiedene VIP-Kategorien, die zu entsprechenden Kostenschwankungen führen können.

Fazit

Ein Freundschaftsspiel kostet demnach durchschnittlich 15.000 Euro, ein Geisterspiel 33.000 Euro, eine Partie der zweithöchsten Spielklasse 33.000 Euro, ein Bundesligaspieltag 205.000 Euro und eine Spiel auf internationaler Ebene 270.000 Euro. Es handelt sich um Bandbreiten, die von vielen, oft tagesaktuellen Variablen abhängen. Wichtig ist festzuhalten: Jedes Fußballspiel verursacht unterschiedliche Kosten. #

Markus Kraetschmer

Markus Kraetschmer

Geschäftsführer MK Consulting

Markus Kraetschmer war bis zum 30. Juni 2021 fast 24 Jahre für den FK Austria Wien in verschiedenen Funktionen tätig. Er verfügt über langjährige Erfahrungen in vielen Tätigkeitsbereichen im Sport- und Ausbildungsbereich, insbesondere in der operativen Leitung von Vereinen, Aktiengesellschaften und GmbHs, sowie der Ausübung von diversen Organfunktionen für Klubs und Kapitalgesellschaften.

Auf Basis dieser Ausbildung und Erfahrung hat Kraetschmer mit Juli 2021 die MK Consulting GmbH gegründet und fungiert nunmehr als Unternehmensberater mit Schwerpunkt Sportconsulting. Neben einigen Mandaten im Fußball berät er Vereine im American Football, Volleyball und Basketball.

www.markuskraetschmer.at

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