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Foto: ÖFB | Dieser Beitrag ist ursprünglich in der 35. Ausgabe des Sport Business Magazin (02-2022) erschienen.

EXKLUSIV-GESPRÄCH Der ÖFB springt auf den Kryptohype auf und nimmt mit dem Launch einer eigenen NFT-Kollektion eine Vorreiterrolle ein. Warum die einzigartigen, nicht kopierbaren, digitalen Besitztümer mit Konterfei von Alaba, Feiersinger und Co. mehr als digitale Panini-Pickerl sind.

Der NFT-Boom erreicht den österreichischen Spitzenfußball. Simon-Peter Charamza, 33, ist Head of Digital Projects and Development beim Österreichischen Fußball-Bund (ÖFB) und betreut das Projekt seit Beginn an. Wir ziehen mit ihm eine erste Zwischenbilanz, sprechen über exklusive »money can’t buy« Leistungen, das Feedback der Fans, die Kosten eines ÖFB-NFTs, warum eine Zusammenarbeit mit großen Kryptoplayern wie Socios oder Sorare nicht attraktiv war und einen möglichen Kryptocrash.

CHRISTOPH BAUMGARTNER Der Hoffenheim-Legionär ist einer von zehn ÖFB-Stars, der in der exklusiven NFT-Kollektion enthalten ist. | © ÖFB Christopher Kelemen

Herr Charamza, Sie haben mit dem ÖFB am 3. März 2022 eine eigene NFT-Serie ins Leben gerufen. Wie kam es zu dieser Idee und schlussendlich zur Umsetzung?

Im September 2021 habe ich mich erstmals privat mit NFTs beschäftigt, viele Stunden zu diesem Thema recherchiert und mich mit Kennern der Szene ausgetauscht. Dazu gehören auch die Gründer von Ahoi Kapptn, mit denen wir bereits seit mehreren Monaten sehr dynamisch am Relaunch der ÖFB-App arbeiten. Wir haben daraufhin innerhalb weniger Wochen ein Konzept entwickelt, das vor allem auf zwei Schwerpunkte ausgerichtet ist.

Einerseits wollen wir attraktive Mehrwerte für die Fans der österreichischen Nationalteams bieten, andererseits den ÖFB als digitalen First-Mover etablieren. Generalsekretär Thomas Hollerer und Geschäftsführer Bernhard Neuhold waren von der Idee ebenso überzeugt und bereits Ende Jänner 2022 haben wir den Drop angekündigt.

Warum mit dem österreichischen Startup Ahoi Kapptn? Nach welchen Kriterien ging der ÖFB hier vor und standen auch andere Unternehmen im Raum?

Die Summe dieser Faktoren hat dafürgesprochen, das Projekt gemeinsam mit Ahoi Kapptn umzusetzen. Die Entwicklung gibt uns recht. Sämtliche technische Abläufe liefen bisher einwandfrei ab. Dies wird auch von unserer Community gewürdigt, deren positives Feedback eine große Motivation für uns ist, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

Steht oder stand jemals eine Zusammenarbeit mit anderen großen Kryptoplayern wie Socios oder Sorare zur Diskussion?

Wir haben seit 2020 immer wieder lose Gespräche mit großen Kryptoplattformen geführt. Es war uns aber stets wichtig, eigenständig und flexibel zu bleiben. Deshalb fiel die Wahl auf die Kooperation mit Ahoi Kapptn.

TEURE NFT-KUNST Ein NFT von Marko Arnautović kostet 0,08 Ethereum, das sind in etwa 200 Euro. | © ÖFB

Gibt oder gab es ein Vorbild-Projekt für den ÖFB?

Ein explizites Vorbild haben wir nicht. Vielmehr versuchen wir, das Beste aus vielen Projekten bei uns zu vereinen. Wir sind nach wie vor der einzige Fußballverband, der eine NFT-Kollektion komplett eigenständig umsetzt. Dadurch bleiben wir flexibel und können neue Ideen schnell und auf den ÖFB abgestimmt implementieren.

Welche Zielgruppe soll mit dem Projekt angesprochen werden?

Primär wollen wir die Fans der österreichischen Nationalteams erreichen. Das heißt aber nicht, dass wir andere Zielgruppen vernachlässigen, weil etwa Meet & Greets mit David Alaba oder Marko Arnautovic auch für internationale Fußballfans interessant sein können. Wir versuchen daher auch, unsere NFT-Kollektion international zu etablieren. Aktuell kommen circa zehn Prozent der ÖFB-NFT-Holder aus dem Ausland.

Was erhofft sich der ÖFB langfristig von diesem neuen Weg?

Kurz- bis mittelfristig ist unser primäres Interesse, die Bindung zu unseren Fans zu steigern. Langfristig wäre es toll, wenn wir durch unsere digitalen Projekte auch neue, internationale Fans hinzugewinnen. Dass das möglich ist, haben wir bei der EURO 2020 gesehen, als wir binnen weniger Wochen einen signifikanten Anstieg an internationalen Followern verzeichnen konnten.

Wie lautet die erste Zwischenbilanz?

Mit der bisherigen Entwicklung sind wir sehr zufrieden. In den ersten zwei Monaten nach dem Drop Anfang März 2022 haben wir rund 45 Prozent der ÖFB-NFTs abgesetzt. Wenn man bedenkt, dass ein Weltklub wie Liverpool nur rund sechs Prozent seiner NFTs verkauft hat, dann kann sich das sehen lassen.

GROSSE BELIEBTHEIT Aktuell kommen circa zehn Prozent der ÖFB-NFT-Holder aus dem Ausland. | © ÖFB

Wie fällt das Feedback der Fans aus?

Das Feedback der NFT-Holder ist sehr positiv. Wer sich ein Bild davon machen will, ist herzlich eingeladen, unserem Discord-Channel (unter nft.oefb.at; Anm. d. Red.) beizutreten. Besonders imposant finde ich, dass sich unsere Community aktiv an der Weiterentwicklung der ÖFB-NFTs beteiligt. Dadurch ist gewährleistet, dass wir wirklich alle Interessen bestmöglich erfüllen.

Wie viele ÖFB-NFTs gibt es und wie viel kostet eines?

Wir haben aktuell 810 NFTs zum Preis von 0,08 Ethereum (in etwa 200 Euro; Anm. d. Red.) aufgelegt. Selbstverständlich haben wir aber auch schon Ideen in der Schublade, wie wir die Kollektion gegebenenfalls erweitern können.

Welche Goodies gibt es im Gegenzug für die Fans?

Die Goodies sind sehr vielfältig. Dazu zählen beispielsweise Meet & Greets mit Spielern und Spielerinnen der Nationalteams, ein exklusives Training mit einem ÖFB-Coach, signierte Matchworn-Trikots, eine Auswärtsreise mit dem Nationalteam zum UEFA Nations League Spiel gegen Frankreich und FanPackages aus dem ÖFB-Shop.

Welche NFTs lassen sich besonders gut verkaufen?

Da muss ich ein bisschen ausholen. Wenn man ein noch nicht gemintetes ÖFB-NFT erwirbt, weiß man zunächst nicht, welches man bekommt – damit wollen wir die Spannung hochhalten. Wer etwas weniger Nervenkitzel möchte, kann bereits gemintete NFTs von anderen Holdern kaufen. In den vergangenen Wochen wurden bereits NFTs im Gesamtwert von 0,8 Ethereum getradet, obwohl wir erst Ende Mai mit den ersten Goodie-Verlosungen begonnen haben. Auch hier merken wir, dass die Community die Kollektion annimmt. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Am beliebtesten sind die ÖFB-NFTs der Kategorie Unique, also jene NFTs, die die wertvollsten Goodies beinhalten.

SIMON-PETER CHARAMZA »Wir sind nach wie vor der einzige Fußballverband, der eine NFT-Kollektion komplett eigenständig umsetzt.« | © ÖFB

Warum ist gerade der Sport prädestiniert für die Blockchain-Technologie?

Der Sport ist nur einer von vielen prädestinierten Bereichen. Das Wichtigste ist, attraktive Rechte zu besitzen. Das kann in etlichen Branchen der Fall sein, wie beispielsweise in der Kunst, im Gaming-Sektor oder für TV-Rechtehalter. Was den Sport von anderen Branchen maßgeblich unterscheidet, ist die Emotion. Genau deshalb versuchen wir, unsere Rechte so zu aktivieren, dass unsere Fans neue und intensivere Magic Moments erleben können.

Verstehen Sie Funktionäre und Fußballfans, die NFTs und der Kryptowelt sehr kritisch gegenüberstehen?

Ich habe für alle Meinungen Verständnis, lade die Leser aber gerne ein, sich unter nft.oefb.at ein genaueres Bild davon zu machen. Wenn man in weiterer Folge die ersten Goodies gewinnt, werden die anfänglichen Zweifel garantiert schnell der Freude weichen.

Ist die Haltung innerhalb der DACH-Region zu diesem Thema generell eine andere als in der übrigen Welt des Sports?

Ich kann nicht für alle Teile der Welt sprechen, aber es ist hinlänglich bekannt, dass die DACH-Region neuen Trends gegenüber tendenziell skeptisch eingestellt ist. Selbst seit Jahrzehnten etablierte Investment-Möglichkeiten wie Aktien erfreuen sich in Österreich keiner großen Beliebtheit. Gut Ding braucht hierzulande Weile. Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass NFTs langfristig eine interessante Option bleiben werden.

Viele Kritiker vergleichen den Kryptobeziehungsweise NFT-Boom mit dem Immobilien-Crash 2008, der in der Folge eine Weltwirtschaftskrise ausgelöst hat. Droht der Kryptowelt Ähnliches? Was antworten Sie den Kritikern?

Dieses Thema sehe ich sehr entspannt. In der Vergangenheit ist es immer wieder zu Crashes gekommen, sei es die DotComBlase, die Weltwirtschaftskrise 2008 oder das seit Jahren erwartete, aber nach wie vor nicht eingetretene Platzen der ImmobilienBlase. Die Geschichte lehrt uns, dass es der Gesellschaft stets gelungen ist, Zerstörtes wieder aufzubauen. Sehr oft sogar noch besser als vor den diversen Crashes. Es wäre naiv zu glauben, der Kryptosektor sei unzerstörbar. Fakt ist aber auch, dass Krypto immer noch ein sehr junger Trend ist, weshalb ich in den nächsten Jahren keinen Zusammenbruch erwarte.

Warum haben Sie sich für Ethereum (ETH) als »Zahlungsmittel« entschieden – auch im Hinblick auf die hohen zusätzlichen Gebühren für die Käufer?

Ethereum zählt neben Bitcoin zu den mit Abstand etabliertesten Kryptowährungen. Darüber hinaus ermöglicht uns der Token-Standard ERC721A, eine verhältnismäßig umwelt- und kostenschonende Abwicklung von NFT-Verkäufen.

Welche Ziele hat der ÖFB hinsichtlich dieses Themas für die Zukunft? Welche weiteren (digitalen) Projekte sind geplant?

Die Digitalisierung hat beim ÖFB seit 2019 ordentlich Fahrt aufgenommen. Nach dem Release unserer Website vor drei Jahren haben wir im Sommer 2020 unsere kostenlose Videoplattform ÖFB-TV gelauncht, auf der wir mittlerweile 200 Livestreams und über 1.000 On-Demand-Videos pro Jahr publizieren. Im Juli erfolgte der Release der neuen ÖFB-App die für unsere Fans ein runderneuertes Tor zum rot-weiß-roten Fußball sein wird.

Unter der Leitung meines Kollegen Franz Hansbauer wurden zudem alle Landesverbands-Websites modernisiert und vereinheitlicht. Für 2023 schwebt uns die Idee vor, einen Innovation Hub zu gründen, der es österreichischen Start-ups ermöglichen soll, gemeinsam mit dem ÖFB innovative, digitale Projekte auf den Markt zu bringen. Österreich darf sich definitiv auf viele neue digitale ÖFB-Produkte freuen.

Herr Charamza, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. #

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