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Foto: 2022 Getty Images/Red Bull Content Pool | Dieser Beitrag ist ursprünglich in der 34. Ausgabe des Sport Business Magazin (01-2022) erschienen.

FORMEL 1 Die Formel-1-Saison 2022 ist dank umfassender Regeländerungen eine weitaus offenere Weltmeisterschaft, bei der mehrere Teams um Siege kämpfen können. Um welche Neuerungen es sich genau handelt, haben wir zusammengefasst.

Eigentlich hätte der große Umbruch bereits auf die Saison 2021 hin stattfinden sollen, aber die Änderungen wurden aufgrund der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie verschoben. Grundlegendes Ziel ist es, Autos zu entwickeln, die für die neue Kostenobergrenze der Formel 1 geeignet sind, und die vor allem für mehr Spannung und Ausgeglichenheit auf der Strecke sorgen. Ein Überblick über die wesentlichen Neuerungen im Autoreglement von 2021 auf 2022.

DIE AERODYNAMIK Die größte Änderung für die Teams, sind die aerodynamischen Veränderungen des Reglements. | © Red Bull Content Pool

Die Aerodynamik

Der sogenannte Ground Effekt sorgt durch zwei lange Tunnel anstelle der derzeitigen flachen Bodenplatte dafür, dass ein größerer Anteil des Fahrzeugsabtriebs vom Unterboden erzeugt wird, was zu weniger Verwirbelungen für den Hintermann führt.

Vereinfachter Frontflügel und Endplatte. Nicht standardisiert, aber sehr genau vorgeschrieben, mit vierteiligem Flügel, der direkt an der Nase befestigt ist und in eine stark einteilige Endplatte übergeht. Deutlich weniger empfindlich für Verwirbelungen als das aktuelle Design.

Ein klar gezeichneter Heckflügel mit einer eingeschnittenen, umlaufenden Verbindung zwischen dem Hauptprofil und den Unterwangenflügeln, die die Endplatten des Heckflügels fixiert und starke Luftströme effektiv unterbindet.

Die Bargeboards sind verboten, dafür gibt es Vorderradabweise, um ein Ausfächern des Luftstroms zu verhindern.

Bündige Radabdeckungen standardisiert, um die Gewinnung von Abtrieb über die Rad-Achsen- Verbindung zu unterbinden.

Obwohl sich die Karosseriegeometrie des Autos und der Motorabdeckung von Team zu Team noch unterscheiden wird, werden sie innerhalb ziemlich enger Richtlinien definiert, um einen möglichst sauberen und unempfindlichen Luftstrom zu erzeugen.

Einschränkungen bei der Formgebung des Bremskanals zur Erzeugung von Abtrieb.

Die Kombination dieser Maßnahmen zeigte in der Simulation, dass das nachfolgende Auto 86 Prozent seines maximalen Abtriebs behält, wenn es eine Autolänge hinter dem vorausfahrenden Auto liegt. Für die 2021er-Autos lag dieser Wert bei nur 55 Prozent.

DIE RÄDER »Diese Saison gibt es eine Umstellung auf 18-Zoll-Felgen von derzeit 13 Zoll. Diese sollen weniger temperaturempfindlich sein und es den Fahrern ermöglichen, während des gesamten Stints hart zu pushen.| © Red Bull Content Pool

Die Aufhängung und die Räder

Die Umstellung auf 18-Zoll-Felgen von derzeit 13 Zoll bedeutet die Einführung von neuen Pirelli- Niederquerschnittsreifen. Diese sollen weniger temperaturempfindlich sein und es den Fahrern ermöglichen, während des gesamten Stints hart zu pushen. Der Leistungsabfall bleibt aber, um die Strategie interessant zu machen.

Die Befestigung der Federung an den Rädern wurde vereinfacht, die erweiterten Befestigungspunkte wie zum Beispiel von Mercedes wurden verboten. Die Aufhängung muss nun direkt an der Radnabe befestigt werden.

Eine hydraulische Federung ist untersagt, was bedeutet, dass nur die Federn und Dämpfer die Steifigkeit kontrollieren. An der Aufhängung angebrachte J-Dämpfer sind ebenfalls verboten.

Ab sofort wird ein Standard- Reifendrucksensor verwendet, um die Laufbedingungen der Reifen zu überwachen.

KLASSIFIKATION DER TEILE Formel-1-Komponenten werden nun in eine Gruppe von fünf verschiedenen Bezeichnungen eingeteilt, um Kosteneinsparungen bei Teilen zu ermöglichen. | © Red Bull Content Pool

Die Klassifikation der Teile

Formel-1-Komponenten werden nun in eine Gruppe von fünf verschiedenen Bezeichnungen eingeteilt, um Kosteneinsparungen bei Teilen zu ermöglichen, die nicht als Leistungsunterscheidungsmerkmale gelten.

Listed Team Components (LTC): Gelistete Teile bleiben die Komponenten, für die ein Team das geistige Eigentum entwickeln und besitzen muss. Beispiele sind die Überlebenszelle oder der Kraftstoffbehälter.

Transferrable Components (TRC): Früher als nicht gelistete Teile bezeichnet, handelt es sich um Komponenten, deren geistiges Eigentum Wettbewerber oder Dritte besitzen, die sie aber an andere Teams liefern können. Solche Teile sind zum Beispiel die Kupplung, Getriebekomponenten, Aufhängungselemente, die Servolenkung oder die Hydraulikpumpe.

Standard Supply Components (SSC): Dies sind Teile, die von einem von der FIA benannten Lieferanten entworfen und hergestellt werden. Kurz gesagt, Spezifikationsteile, die von allen Teams verwendet werden. Hier wären die Radkappen, die Felgen, die Reifen, die OnBoard-Kameras oder die Telemetrie typische Beispiele.

Open Source Components (OSC): Open-Source-Teile können von Teams kostenlos nach ihren eigenen Spezifikationen entwickelt werden. Die vollständigen Konstruktionsdetails müssen jedoch allen anderen Teams zur Verfügung gestellt werden. OSCs wären zum Beispiel die Pedale, die Lenksäule, die Bremssättel oder der Feuerlöscher.

THE NEXT GENERATION Die neuen Rennwägen der Teams unterscheiden sich von ihren Vorgängern praktisch in allen wesentlichen Bereichen. | © Red Bull Content Pool

Die Flügel

Das Design des Frontflügels wurde vereinfacht und zahlreiche Designelemente der letzten Jahre verboten. So wurden zum Beispiel die so genannten Strakes, die bislang den Luftstrom auf der Flügelunterseite umleiteten, entfernt und die Form der Endplatten links und rechts stark eingeschränkt. Der Heckflügel ist nun durchgängig und die Endplatten sind in einer Spiralform mit den Klappen verbunden. Sinn all dieser Maßnahmen ist die Stärke, Form und Position des Luftstroms so zu verändern, dass der Hinterherfahrende weniger mit Verwirbelungen zu kämpfen hat.

Die Aufhängung

Die Teams müssen auch ihre Aufhängungsdesigns überarbeiten, denn die Serie kehrt zu einem klassischen Modell mit Federn und Dämpfer zurück, anstatt hydraulische wie bisher zu verwenden. Als Folge dieser Änderungen und der Änderungen an der aerodynamischen Philosophie des Autos ist es plausibel, dass einige Teams wieder Zugstangenaufhängungen an der Vorderseite ihrer Autos nützen werden.

Die Bremsen und Räder

Die Bremsscheiben (330 statt 278 Millimeter), der Bremskanal und die Bremstrommel sind größer, um der Einführung der 18-Zoll-Felgen Rechnung zu tragen. Darüber hinaus wird die Verwendung von Winglets massiv eingeschränkt. Auf der Außenseite des Rads kehren die Felgenabdeckungen zurück, die 2010 verboten wurden. Dieses Mal haben sie jedoch ein einheitliches Design und drehen sich mit dem Rad mit. LED-Displays auf den Felgenabdeckungen sollen den Zuschauern Informationen liefern.

CHANCENGLEICHHEIT Durch das neue Reglement, Erleben wir in dieser Saison spannendes Racing. | © Red Bull Content Pool

Die Karosserie

Im Rahmen der aerodynamischen Überarbeitung und Schwerpunktverlagerung hin zu einem stärker vom Unterboden beeinflussten Design sowie der Vereinfachung von Front- und Heckflügel wird auch die Bodenfläche stärker zum erzeugten Gesamtabtrieb beitragen. Die Stärkung des Unterbodens hat zu einem anderen Design der Vorderkante des Bodens geführt. Auch das Design des Seitenkastens wird 2022 anders aussehen, weil der obere der beiden SIPS (Seitenaufprallprotektoren) mindestens 60 Millimeter höher angeordnet werden muss. Eine weitere Änderung, die sich dramatisch auswirken könnte, ist die Wiedereinführung von Karosserieteilen mit Kühlschlitzen. Dies könnte zu einer Rückkehr zur klassischen Colaflaschen-Form führen. Durch sämtliche Veränderungen sind die Autos nun deutlich schwerer geworden. Sie wiegen jetzt 795 statt der bisherigen 752 Kilogramm.

Die Motoren

Die 1,6-Liter-V6-Turbomotoren bleiben weitgehend unverändert, das Design der Triebwerke wird zum Saisonstart homologiert und bis 2025 eingefroren. Mindestens zehn Prozent des Kraftstoffs müssen aus Advanced Sustainable Ethanol (E10) bestehen.

Das Heck

Am Heck des Fahrzeugs wurden die separaten Abgasrohre wieder abgeschafft, wobei nur mehr ein einziger, mittig angeordneter Auspuff verwendet wird. Angesichts der Form des neuen Heckflügels könnte man meinen, dass das DRS auch abgeschafft wurde. Es ist jedoch immer noch vorhanden und wird weiterhin Teil des Heckflügels sein. Die Teams müssen auch den nun geringeren Radstand des Autos berücksichtigen. #

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