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Foto: Dmitri Lovetsky/AP/picturedesk.com | Dieser Beitrag ist ursprünglich in der 34. Ausgabe des Sport Business Magazin (01-2022) erschienen.

KRYPTO Die Finanzierung im Spitzenfußball befindet sich im Umbruch. Immer mehr Klubs entdeckten den komplexen Kryptomarkt für sich, der vor allem eines verspricht: schnelles und frisches Geld für die durch die Pandemie gebeutelten Vereinskassen. Doch haben Kryptowährungen, Fan-Token und NFTs im Fußball überhaupt eine Zukunft?

Krypto ist überall. Zum Beispiel in der Formel 1, wo am Streckrand auf riesigen Plakaten die Plattform für Kryptowährungen »Crypto.com« großflächig mit ihrem Firmennamen wirbt. Oder in den US-amerikanischen Profiligen NBA und NHL – dort hat es sich dieselbe Handelsbörse nicht weniger als 700 Millionen US-Dollar kosten lassen, die Namensrechte des berühmten Staples-Center in Los Angeles zu erwerben. Die Heimspielstätte der Basketballclubs L.A. Lakers und L.A. Clippers sowie des Eishockey-Teams L.A. Kings wird also bis mindestens 2041 »crypto.com Arena« heißen. Laut der Los Angeles Times ist dies das größte Namenssponsoring der Geschichte. Außerdem gibt es einen ligaweiten Vertrag der Handelsbörse mit der Serie A. Dort sind Vereine auch eigeninitiativ unterwegs, wie das Beispiel von AS Rom zeigt, das mit Zytara Labs einen Drei-Jahres-Vertrag über 42 Millionen Euro abgeschlossen hat.

Wenn über Krypto gesprochen wird, dann geht es meist um Wachstum, neue Rekorde, um Superlative. Passend dazu verzeichnet der älteste digitale Vermögenswert Bitcoin (seit 2009 am Markt) im November 2021 ein Allzeithoch von 68.744,03 US-Dollar. Mehrere tausend verschiedene Kryptowährungen sind inzwischen auf dem Markt. Laut CNN gibt es im Juni 2021 weltweit über 220 Millionen Nutzer. Nur logisch, dass auch das Sportbusiness diese Entwicklung – die längst schon mehr ist als nur ein einfacher Trend – nicht ignoriert, nicht ignorieren kann.

NFTS EROBERN DEN FUSSBALL Die Sammelkarte von Erling Haaland wechselte im Februar 2022 für rund 609.000 Euro ihren Besitzer. | © sorare

Corona als Katalysator

Für die Unternehmen bietet der Sport eine gigantische Plattform, sich zu präsentieren. Die Akteure im Sport wiederum sind dankbar für die lukrativen Einnahmemöglichkeiten, die in den vergangenen Jahren wichtiger denn je geworden sind. Die Pandemie war ein entscheidender Katalysator, sich in verschiedenen Bereichen auf bisher unbekanntes Terrain zu wagen. Zahlreiche Sportveranstaltungen mussten verschoben beziehungsweise mit deutlich weniger Zuschauern oder ganz unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen werden. Daher war es entscheidend, neue Einkommensquellen zu generieren und obendrein neue Wege in der Interaktion mit Fans zu beschreiten.

 

Fan-Token: Mitbestimmung, Exklusivität und Bruch mit traditionellen Strukturen

Medienberichten zufolge erhielt Lionel Messi, der im Sommer 2021 vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain gewechselt ist, einen Teil seines Handgeldes in der PSG-eigenen Kryptowährung. Der Klub selbst bezeichnete das als eines der »innovativsten und avantgardistischsten Markenzeichen im Sport«. Hauseigene Kryptowährungen von Vereinen nennen sich Fan-Token. Sie sind Blockchainbasiert, werden an Kryptobörsen gehandelt und unterliegen demnach gewissen Schwankungen des Marktes. Auch die wirtschaftliche Lage des Fußballvereins und die Performance des Teams wirken sich auf ihren Kurs aus.

Im Gegensatz zum »Kryptokönig« Bitcoin sind sie kein Zahlungsmittel im eigentlichen Sinne, sondern eher ein digitales Guthaben, mit dem sich Fans ein Stimmrecht erkaufen können. Die Grundidee ist, dass sich die Besitzer von Fan-Token an den Entscheidungen rund um ihren Verein beteiligen dürfen: Bei Juventus Turin können Token-Besitzer entscheiden, welcher Jingle nach einem Tor gespielt wird. Beim FC Barcelona nehmen sie Einfluss darauf, welches Kunstwerk in der Umkleide des Camp Nou hängen soll. Hinzu kommt teilweise ein Exklusivitätsstatus. Bestimmte VIP-Events, besondere Fanartikel oder Tickets sind nur gegen Bezahlung in der vereinseigenen Kryptowährung erhältlich. Dadurch erhoffen sich Fußballvereine vor allem eine engere Fanbindung. Pioniergeist in der DACH-Region beweist der BSC Young Boys aus der Schweiz, der dort als erster Verein eine eigene Kryptowährung herausgebracht hat.

REKORDDEAL Die asiatische Kryptoplattform Crypto.com zahlt für die Namensrechte des Staples-Center in Los Angeles 700 Millionen Dollar. | © crypto.com

Klar ist: Chancen und Risiken liegen eng beieinander. Christoph Breuer, Professor für Sportökonomie an der Deutschen Sporthochschule Köln, benannte gegenüber Sportschau.de einige Vorteile: »Die Chance besteht Fans stärker zu binden, wobei geographische Grenzen hierbei keine Rolle mehr spielen wie bei vielen klassischen Maßnahmen der Fanbindung.« Dadurch seien Fan-Token insbesondere für Klubs mit vielen überregionalen und internationalen Fans von Interesse. »Zudem kann auf einen Schlag ein Millionenerlös erzielt werden. Dies macht Fan-Token gerade in der aktuellen pandemiebedingten Finanzkrise für den Profifußball interessant«, ergänzt er. Das Fan-Token des FC Barcelona, das der Verein im Juni 2020 gelauncht hat, war innerhalb weniger Stunden ausverkauft und generierte 1,2 Millionen Euro Umsatz.

Doch auch Kritik und Sorgen seitens der Fans kann der Sportökonom absolut nachvollziehen, da bewährte Muster aufgebrochen werden: »Fan-Token unterlaufen teilweise die Mitbestimmungskultur in Klubs und stellen gewohnte Partizipationsmuster in Frage.« Normalerweise hat ein Vereinsmitglied eine Stimme. In der Welt der Fan-Token sind jedoch die Anteile relevant für das Gewicht der Stimme. In Deutschland war genau das der ausschlaggebende Faktor, der beim Traditionsverein Borussia Dortmund rund um die Versuchsphase eines eigenen Fan-Tokens Mitte Dezember hohe Wellen schlug. Es hagelte heftige Kritik der Anhänger. Daraufhin setzte sich der BVB mit seinen Fans zusammen – und stellte Anfang 2022 seine Bestrebungen in Sachen Fan-Token wieder ein. »Es macht keinen Sinn, etwas an den Bedürfnissen der Fans vorbeizumachen«, betonte Geschäftsführer Carsten Cramer. »Mitbestimmung soll ein ureigenes Recht der BVB-Mitglieder und Fans bleiben.« Spannend bleibt, welche Rolle die Kryptobörse »Bybit«, die seit November Partner der Borussia ist, bei zukünftigen Plänen spielen wird. Generell ist es interessant zu beobachten, wie Traditionsvereine, die stark von ihrer Mitgliederstruktur leben, das Thema angehen werden – und ob in der der DACH-Region Vereine dem Beispiel der Young Boys aus Bern folgen werden.

NFT-KUNST IN MILLIONENHÖHE Während früher physische Kunstwerke gehandelt wurden, sind es heute digitale NFTs, die zu Millionenpreisen auf Kryptoplattformen verkauft werden.| © sorare

NFTs: Football Fantasy Manager trifft Tradingplattform

Ein anderer Weg, die Blockchain-Technologie für Fan-Interaktion zu nutzen und damit Umsatz zu erzielen, sind digitale Sammlerstücke, sogenannte NFTs. Ein Non Fungible Token ist ein nicht teilbares oder austauschbares digitales Objekt. Während man die Fan-Token zum Beispiel gegen Tickets oder VIP-Erlebnisse eintauschen kann, ist das mit NFTs nicht möglich. Hier geht es vielmehr um digitale Einzigartigkeit. Was früher das Panini-Album der Fußballfans war, hält nun auch in der digitalen Welt Einzug: es gibt handelbare NFT-Sammelkarten, auf denen Spieler abgebildet sind. Die österreichische und die deutsche Bundesliga schlossen hierzu Verträge mit dem französischen Start-up Sorare ab. Die NFT-Sammelkarten werden in bestimmten Auflagen produziert, die den Handelswert beeinflussen. So gibt es in der Bundesliga in Österreich zum Beispiel drei Kategorien: Rare (100 Karten pro Spieler), Super Rare (zehn Karten) und Unique (eine Karte).

Abgesehen von der reinen Sammelmöglichkeit kann man über die Online-Plattform von Sorare auch Fantasy Football spielen. Wie auf dem echten Transfermarkt können die User auch auf dem digitalen Transfermarkt Spieler einkaufen und gegeneinander antreten lassen. Basierend auf den Leistungen der Spieler im realen Fußball erhalten die Online-Manager in der digitalen Welt Punkte und können Woche für Woche Preise gewinnen. Selbstverständlich können die Spielkarten auch auf dem digitalen Transfermarkt gehandelt werden. Günstigere Karten kann man schon ab einem Euro erwerben, eine Karte zu Cristiano Ronaldo wechselte im März 2021 aber auch schon für rund 245.000 Euro ihren Besitzer. Die Sammelkarte von Erling Haaland übertrumpfte im Februar 2022 prompt den bisherigen Rekord: 609.000 Euro zahlte ein User für das NFT in der Kategorie »Unique«.

Mit diesem Geschäftsmodell ist Sorare überaus erfolgreich und verzeichnet seit seiner Gründung 2018 ein riesiges Wachstum. Eigenen Angaben zufolge setzte das Unternehmen 2021 bereits 150 Millionen US-Dollar mit Kartenverkäufen um. Zu den Investoren gehören bekannte Gesichter wie der deutsche Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff oder Gerard Piqué vom FC Barcelona.

Vergleichbar sind NFTs und Fan-Token insofern, als dass beide derzeit die gesamte Branche auf den Kopf zu stellen scheinen. Nicht unwahrscheinlich, dass die Tokenisierung des Sportsektors weiterwächst und dass Fans und Teams fortwährend auf neuen Wegen interagieren können. #

Kryptographie, Blockchain & Full Note

Kryptographie ist die Wissenschaft zur Verschlüsselung von Informationen und auf deren Prinzip beruhen die digitalen Währungen. Sämtliche Daten zu Inhabern und Transaktionen werden verschlüsselt gespeichert. Das geschieht in einem System, das Blockchain heißt: Daten werden nicht auf einem Server, sondern auf mehreren tausend gleichzeitig abgespeichert. Das bedeutet, dass sich alle Transaktionen in einem dezentralen Netzwerk befinden. Darum soll es so gut wie ausgeschlossen sein, Transaktionen zu fälschen. Jede Transaktion innerhalb einer Blockchain ist für jeden Netzwerkteilnehmenden öffentlich einsehbar. Es handelt sich also um ein offenes Kassenbuch, in dem ein Mehraugenprinzip herrscht, das dazu beiträgt, das ungültige Transaktionen innerhalb kurzer Zeit abgelehnt werden. Jede Person kann eine Kopie des offenen Kassenbuchs führen, das von sogenannten Minern kontrolliert und aktuell gehalten wird. Eine vollständige Kopie der Blockchain nennt sich Full Note.

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Sport Business Magazin 34 Frühlingsausgabe 01-2022 Erling Haaland
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